Ostermontag
Regionaler Familiengottesdienst mit Ostereiersuchen in Ratekau, Pastorin Dittmann und Kita "Sonntenstrahl"
Regionaler Familiengottesdienst mit Ostereiersuchen in Ratekau, Pastorin Dittmann und Kita "Sonntenstrahl"
Eröffnung
Im Namen des Vaters und des Sohnes
und des Heiligen Geistes. Amen.
Der Herr ist auferstanden, Halleluja.
Er ist wahrhaftig auferstanden, Halleluja, Halleluja!
Gebet
Ich danke dir, mein Gott, für diesen Ostertag.
Du schenkst mir auf’s Neue dein Licht,
das alles Dunkel überstrahlt.
Vertrauen wächst,
Hoffnung blüht auf,
Freude bricht sich Bahn.
Ich will deine Auferstehung feiern,
will hören, beten und singen.
Viele tun das mit mir.
An anderen Orten. Zu anderer Zeit.
Sei bei uns und verbinde uns in dir.
Amen.
Lied · EG Nr. 100
1. Wir wollen alle fröhlich sein in dieser österlichen Zeit;
denn unser Heil hat Gott bereit`.
Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja,
gelobt sei Christus, Marien Sohn.
2. Es ist erstanden Jesus Christ, der an dem Kreuz gestorben ist,
dem sei Lob, Ehr zu aller Frist.
Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja,
gelobt sei Christus, Marien Sohn.
3. Er hat zerstört der Höllen Pfort, die Seinen all herausgeführt
und uns erlöst vom ewgen Tod.
Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja,
gelobt sei Christus, Marien Sohn.
Gebet nach Psalm 118
Ich danke dir, mein Gott,
du bist meine Kraft, mein Lied und mein Heil.
Der Stein, den die Bauleute verworfen haben,
ist zum Eckstein geworden:
Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden.
Was für ein Wunder vor unsern Augen!
Ich werde nicht sterben, sondern leben.
Du gibst mich dem Tode nicht preis.
So sing voll Freude von deinem Sieg!
Du bist meine Kraft, mein Lied und mein Heil. Amen.
Biblischer Text Matthäusvangelium, Kapitel 28, Verse 15 bis 35
Nach dem Sabbat, in der Morgendämmerung des ersten Tages der neuen Woche, kamen Maria aus Magdala und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen. Plötzlich fing die Erde an, heftig zu beben. Ein Engel des Herrn war vom Himmel herabgekommen und zum Grab getreten. Er wälzte den Stein weg und setzte sich darauf. Seine Gestalt leuchtete wie ein Blitz, und sein Gewand war weiß wie Schnee. Als die Wächter ihn sahen, zitterten sie vor Angst und fielen wie tot zu Boden.
Der Engel sagte zu den Frauen: „Fürchtet euch nicht! Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. Er ist nicht hier; er ist auferstanden, wie er es vorausgesagt hat. Kommt her und seht euch die Stelle an, wo er gelegen hat. Und dann geht schnell zu seinen Jüngern und sagt ihnen, dass er von den Toten auferstanden ist. Er geht euch nach Galiläa voraus; dort werdet ihr ihn sehen.“
Die Frauen waren erschrocken, aber doch voller Freude. So schnell sie konnten, verließen sie das Grab und eilten zu den Jüngern, um ihnen alles zu berichten. Plötzlich trat ihnen Jesus entgegen. „Seid gegrüßt!“, sagte er. Da liefen sie zu ihm hin, warfen sich vor ihm nieder und umfassten seine Füße. „Fürchtet euch nicht!“ sagte Jesus zu ihnen. „Geht und sagt meinen Jüngern sie sollen nach Galiläa gehen. Dort werden sie mich sehen.“
Lied Er ist erstanden EG 116
1. Er ist erstanden, Halleluja.
Freut euch und singet, Halleluja.
Denn unser Heiland hat triumphiert,
all seine Feind gefangen er führt.
Kehrvers:
Lasst uns lobsingen vor unserem Gott,
der uns erlöst hat vom ewigen Tod.
Sünd ist vergeben, Halleluja!
Jesus bringt Leben, Halleluja!
2. Er war begraben drei Tage lang.
Ihm sei auf ewig Lob, Preis und Dank;
denn die Gewalt des Tods ist zerstört;
selig ist, wer zu Jesus gehört.
Kehrvers: Lasst uns lobsingen…
3. Der Engel sagte: »Fürchtet euch nicht!
Ihr suchet Jesus, hier ist er nicht.
Sehet, das Grab ist leer, wo er lag:
er ist erstanden, wie er gesagt.«
Kehrvers: Lasst uns lobsingen…
Impuls:
Fürchtet euch nicht!
Sie konnten das alles noch gar nicht fassen. Sie hatten gewartet: Nacht, Tag und wieder Nacht. Nun wollen sie den Ort des Begräbnisses noch einmal sehen, als ließe sich dort alles leichter begreifen.
‚Fürchtet euch nicht‘ - die Worte des Engels erschüttern die erschöpften Trauernden. Eine Freude ergreift sie, in der immer noch Furcht mitschwingt.
Was für ein Moment, voller Bangen und Hoffen. Sie erleben: Der Gekreuzigte ist auferstanden. Er selbst tritt ihnen entgegen. Das zieht ihnen den Boden unter den Füßen weg. Er ist es. Er nennt sie beim Namen.
‚Fürchtet euch nicht‘ - hören sie ihn sagen. Will er sie ermutigen, oder ist das schon Teil der Botschaft, die er ihnen anvertraut? Die richtet sich auch an jene, die hier fehlen. Und doch sind sie nicht vergessen und auch nicht verschwunden. Die Frauen wissen, wo die Jünger zu finden sind.
Jesus gibt ihnen ein Ziel: Galiläa, Ort der Verkündigung, der Verklärung aber auch der Versuchung Jesu. Nun wird Galiläa zum Ort des Abschieds.
Die Frauen begegnen dem Auferstandenen, und doch sind die Zeichen des Himmels um ihn und an ihm nicht zu übersehen. Die Zeuginnen dieses Übergangs freuen sich überschwänglich - und fürchten sich zugleich. Ebenso geht es den Jüngern auf dem Berg: sie glauben - und zweifeln.
Ein Raum entsteht im Übergang zwischen Himmel und Erde, Freude und Furcht, Glaube und Zweifel. So fängt diese Ostererzählung in eigener Weise die Glaubenserfahrung von Christinnen und Christen ein. Es bleibt keine Zeit für einen Nachruf auf Jesus. Die Ostergeschichte verkündet die wunderbare Fortsetzung seines Lebens:
‚Fürchtet euch nicht‘! Das kommt gerade zur rechten Zeit - an jenem Morgen wie in unseren Tagen.
Es freue sich das Herz derer, die den Herrn suchen.
Der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden!
Gebet
Beim * können Sie eine Pause machen, einfügen, an wen sie denken.
Gott, du schaffst neues Leben.
Ich bitte dich für Menschen, die die Hoffnung verloren haben.*
Ich lege dir die ans Herz, die leiden an Krankheit und Tod.*
Ich bitte dich für Menschen, die Schuld auf sich geladen haben*
Ich bitte für die, die nicht mehr wissen, wie es weiter geht.*
Ich denke an alle, die rastlos, verzweifelt und verängstigt sind.*
Gott des Lebens, du weißt, was sie alle brauchen.
Du weißt, was gut ist für sie und für mich. Voll Vertrauen, dass du auch unser Leben hältst, lege ich mein Bitten in deine Hände:
Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name,
dein Reich komme, dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute,
und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich, und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit, Amen.
Segensbitte
Segne mich, Gott. Lass dein Angesicht leuchten über mir.
Sei schützend um mich und schenke mir und aller Welt Frieden. Amen.
Ostergottesdienst mit Pastor Stein in diesem Jahr erst um 10.00 Uhr.
Leider muss das traditionelle Osterfrühstück aufgrund der aktuellen Lage entfallen!
Um Anmeldung im Kirchenbüro wird gebeten.
Eröffnung
Im Namen des Vaters und des Sohnes
und des Heiligen Geistes. Amen.
Stille
Gebet
Christus, mein Bruder -
wie kann ich dir nahe kommen
an diesem Tag?
Sprachloses Schweigen
an deinem Grab.
An den Gräbern
meines Lebens.
Tastende Hoffnung.
In der Tiefe
bist du.
Amen.
Biblischer Text
Als Jesus gestorben war und es Abend wurde - es war der Abend vor dem Sabbat, dem Ruhetag - kam Josef, ein reicher Mann, der aus Arimathäa stammte und ein Jünger Jesu war. Er ging zu Pilatus und bat um den Leichnam Jesu. Pilatus ordnete an, der Tote solle Josef
überlassen werden. Da nahm Josef den Leichnam, wickelte ihn in ein reines Leinentuch und legte ihn in die noch unbenutzte Grabhöhle, die er für sich selbst in einen Felsen hatte hauen lassen. Bevor er fortging, wälzte er einen großen Stein vor den Eingang des Grabes. Maria aus Magdala und die andere Maria waren dabei; sie hatten sich dem Grab gegenüber hingesetzt.
Am nächsten Tag gingen die führenden Priester und die Pharisäer gemeinsam zu Pilatus. „Herr“, sagten sie, „uns ist eingefallen, dass dieser Betrüger, als er noch lebte, behauptet hat: ‚Nach drei Tagen werde ich auferstehen.‘ Befiehl deshalb bitte, dass das Grab bis zum dritten Tag bewacht wird! Sonst könnten seine Jünger kommen und den Leichnam stehlen und dann dem Volk gegenüber behaupten, er sei von den Toten auferstanden. Dieser zweite Betrug wäre noch schlimmer als der erste.“ „Ihr sollt eure Wache haben“, antwortete Pilatus. „Geht und sichert das Grab, so gut ihr könnt!“ Da gingen sie zum Grab, versiegelten den Stein am Eingang und stellten eine Wache auf.
Matthäusevangelium, aus Kapitel 27
Dazwischen
Karsamstag. Es ist der Tag danach. Und es ist der Tag davor. Im Schwebezustand dazwischen, da schweigen Glocken, Orgeln und auch die Menschen werden stumm. Die Hammerschläge sind verhallt. Das höhnische Gelächter ist vorbei. Das Stöhnen der Sterbenden ist einer großen Stille gewichen. Totenstille. Schockstarre. Gespannte Erwartung.
Wo sind sie plötzlich alle hin? Wo sind seine Freunde jetzt, wo Jesus tot ist? Judas hat sich das Leben genommen. Die anderen sind kopflos davon gelaufen. Sie versuchen unterzutauchen. Sie haben Angst, auch so zu enden, wie er. Einige Frauen sind in Sichtweite geblieben.
Da taucht einer auf, der sich bisher im Hintergrund gehalten hat: Josef, ein reicher Mann, ein heimlicher Sympathisant, ein Mitglied des Hohen Rates. Er nimmt all seinen Mut zusammen und denkt gar nicht groß nach. Jetzt ist es ihm egal, was die Leute sagen werden. Er hört auf sein Bauchgefühl und tut, was dran ist: Jesus kann da nicht bleiben. Nackt und geschunden. An diesem Ort. Am Kreuz. Ausgeliefert. Jemand muss sich um den Leichnam kümmern. So schnell vor dem Feiertag kann Josef kein Grab mehr herrichten. Aber sein eigenes Grab, das ist schon fertig. Das soll Jesus haben. Josef geht zu Pilatus und klärt alle Formalitäten. Er kauft ein Leinentuch und wickelt den geschundenen Leib darin ein. Er legt ihn über seine Schulter und geht los. In der Grabeshöhle bettet er ihn und verschließt das Grab mit einem Stein.
Tote zu bestatten ist ein Akt der Barmherzigkeit. Es geht um Menschlichkeit und Menschenwürde. Das duldet keinen Aufschub. Man muss es tun, wenn es dran ist. Im Nachhinein ist es leicht zu sagen: Schämt euch, Petrus, Simon und Andreas, dass ihr Jesus allein gelassen habt! - In diesem Zwischenzustand aber ist alles noch offen. Wer weiß, wie Pilatus reagieren wird? Wird Josef durch das, was er tut, Probleme bekommen?
Ich erlebe die Pandemie unserer Tage auch als einen solchen Zwischenzustand. Die Welt wartet ab, was kommt. Alles ist noch offen. Ständig gilt es abzuwägen: Welches Risiko gehe ich ein?
Und wie bleibe ich dabei menschlich, barmherzig?
An diesem Karsamstag denke ich an alle, für die die Toten dieser Pandemie nicht nur Zahlen in einer Nachrichten-Sendung sind. Sie wissen oft nicht, was zu tun das Richtige ist. Sie sind hin- und hergerissen und haben manches Mal das Gefühl, sich nur falsch entscheiden zu können: Die Frau, die damit hadert, dass sie ihren sterbenden Mann im Krankenhaus nicht besuchen darf. Soll sie das einfach so hinnehmen? - Die Seelsorgerin, die mit sich ringt, ob eine Aussegnung am Sterbebett verantwortbar ist. - Der Bestatter, der mit Corona-Toten anders umgeht. Er will sie mit Würde behandeln und muss doch vorsichtig sein.
Sie und wir alle bewegen uns zwischen Erstarrung und Zuversicht im Schwebezustand. Wir haben uns in den eigenen vier Wänden eingeigelt. Dort hoffen wir auf Impfung und auf bessere Zeiten. Gleichzeitig vermissen wir die körperliche Nähe und Zuwendung, die Mitmenschlichkeit. Wie sehr, das spüren wir besonders, wenn jemand gestorben ist.
Wie gut würde es uns tun, wenn wir wie Josef wüssten, was zu tun ist.
Stille
Vaterunser
Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name,
dein Reich komme, dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute,
und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich,
und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit,
Amen.
Segensbitte
Gott, sei um mich mit deinem Segen. Amen.
Osternacht-Gottesdienst in Ratekau mit Pastorin Dittmann
Eröffnung
Im Namen des Vaters und des Sohnes
und des Heiligen Geistes. Amen.
Gebet
Ich danke dir, mein Gott,
für das Licht, das auch diesen Tag erhellt.
Ich mache mich auf, dir zu begegnen,
ich teile mit dir Sorge und Sehnsucht,
Angst und Vertrauen.
Ich mache mich auf, dir zu begegnen.
Ich suche das Wort, das mein Leben trifft.
Ich suche dich in den Stunden dieses Tages.
Viele tun das mit mir.
An anderen Orten. Zu anderer Zeit.
Sei bei uns und verbinde uns in dir.
Amen.
Stille
Lied · O Haupt voll Blut und Wunden · EG 85
O Haupt voll Blut und Wunden, voll Schmerz und voller Hohn,
o Haupt, zum Spott gebunden mit einer Dornenkron,
o Haupt, sonst schön gezieret mit höchster Ehr und Zier,
jetzt aber hoch schimpfieret: gegrüßet seist du mir!
Biblischer Text
Bei Tagesanbruch fassten die führenden Priester mit den Ältesten des jüdischen Volkes den Beschluss, Jesus hinrichten zu lassen. Weil die Stadt unter der Herrschaft der Römer stand und sie selbst nicht die Macht hatten, das Urteil zu vollstrecken, übergaben sie Jesus an den römischen Gouverneur Pilatus. Als Judas sah, dass sein Verrat zur Verurteilung Jesu geführt hatte, bereute er seine Tat. Er brachte das Geld zurück und sagte zu den Priestern: „Ich habe gesündigt, ich habe einen unschuldigen Menschen verraten.“ Doch die Priester antworteten „Was geht uns das an?“ Da warf Judas das Geld in den Tempel, ging weg und erhängte sich.
Als Jesus vor Pilatus stand, fragte ihn dieser: „Bist du der König der Juden?“ „Du sagst es“ erwiderte Jesus. Die Priester und Ältesten brachten Beschuldigungen gegen Jesus vor, aber er verteidigte sich mit keinem Wort. Pilatus wusste, dass man Jesus nur aus Neid an ihn ausgeliefert hatte. Und so fragte er das Volk: „Was soll ich mit dem tun, von dem es heißt, er sei der Messias?“ Die Priester und Ältesten hatten das Volk gegen Jesus aufgestachelt und so schrien sie: „Ans Kreuz mit ihm!“ „Was für ein Verbrechen hat er denn begangen?“ fragte Pilatus. Doch sie schrien nur noch lauter: „Ans Kreuz mit ihm!“ Pilatus sah, dass er nichts erreichte, der Tumult wurde immer schlimmer. Da ließ er Jesus auspeitschen und übergab ihn den Soldaten zur Kreuzigung. Die Soldaten schlugen und verspotteten Jesus. Dann brachten sie ihn zur Hinrichtungsstätte. Nachdem sie Jesus gekreuzigt hatten, setzten sie sich nieder und hielten Wache. Am Kreuz hatten sie eine Aufschrift angebracht, die den Grund für seine Verurteilung angab: „Dies ist Jesus, der König der Juden.“
Die Priester und die Leute, die vorübergingen, spotteten: „Anderen hat er geholfen, aber sich selbst kann er nicht helfen. Wenn du Gottes Sohn bist, hilf dir selbst und steig herab vom Kreuz, dann wollen wir an dich glauben.
Um zwölf Uhr mittags brach über das ganze Land eine Finsternis herein, die bis drei Uhr nachmittags andauerte. Gegen drei Uhr schrie Jesus laut: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Und er schrie noch einmal laut auf und starb. Im selben Augenblick riss der Vorhang im Tempel von oben bis unten entzwei; die Erde begann zu beben, die Felsen spalteten sich, und die Gräber öffneten sich. Der Hauptmann und die Soldaten, die beim Kreuz Jesu Wache hielten, waren zutiefst erschrocken und sagten: „Dieser Mann war wirklich Gottes Sohn.“
Matthäusevangelium, aus Kapitel 27
Stille
Lied · O Haupt voll Blut und Wunden · EG 85
Ich will hier bei dir stehen,
verachte mich doch nicht;
von dir will ich nicht gehen,
wenn dir dein Herze bricht;
wenn dein Haupt wird erblassen
im letzten Todesstoß,
alsdann will ich dich fassen
in meinen Arm und Schoß.
Impuls zum Biblischen Text
„Seht welch ein Mensch.“ Jesus steht vor der Menge, die ihn niederschreit. Und Pilatus sagt: „Seht hin.“ So wird Johannes später schreiben über diese Szene.
Heute, am Karfreitag, wagen wir es - und sehen hin: Ein Mensch stirbt. Nein, zwei Menschen.
Da ist Judas. Er will nicht mehr leben. Die Schwere erdrückt ihn. Er hat das alles nicht gewollt. So weiterleben? Nein. Nicht mit diesen Gefühlen von Schuld, Scham und Scheitern. Nicht einmal mit dem vielen Geld, das ihm dieser Verrat eingebracht hat.
Aber er hat es doch nur gut gemeint: Sein Verrat sollte Jesus nicht verraten. Jesus sollte seine Macht zeigen gegen die Mächte und Gewalten dieser Welt! Hätte er das nicht gekonnt? In seiner Nähe hatte Judas sich immer sicher gefühlt.
Seht, welch ein Mensch: Der arme Judas. Nun will er die Uhren zurückdrehen. Er bringt das Geld zurück, er setzt sich wieder ein für die gute Sache, wie er es gelernt hat. Er erkennt seinen Fehler, er bekennt seine Schuld. Er geht zu den Priestern.
Doch wie furchtbar diese Erkenntnis: Manchmal ist es zu spät, die Dinge auf Null zu setzen. Die Geister, die Judas rief, sind nun in der Welt. Die Szene ist außer Kontrolle. Das Dunkle hat nichts Anziehendes mehr. Es übernimmt die Herrschaft.
In seiner Not kommt Judas zu den Priestern. Ihre Reaktion ist kurz und knapp: „Was geht uns das an?“ Welch eine Frage der Männer Gottes! Wir spüren: Doch, er geht uns was an, dieser Mensch!
Wo bist du, Mensch, der du den Menschen siehst?
Wer öffnet mir die Augen, dass ich sehe?
So bleibt Judas allein - und geht hinaus in den Tod. Und wir ahnen: Wer immer wir gerade sind: Priester, Judas oder Zuschauerinnen - diese Geschichte ist geschrieben, damit sie nicht wieder passiert.
Stille
Biblisches Gebet aus Psalm 130
Aus der Tiefe rufe ich zu dir:
Herr, höre meine Stimme!
Wenn du Herr, Sünden anrechnen willst -
Herr, wer wird bestehen?
Bei dir ist Vergebung, dass man dich fürchte.
Ich harre auf dich, meine Seele harret.
Bei dir ist die Gnade. Amen.
Auch Jesus erleidet den Tod. Aber er stirbt nicht im Verborgenen, sondern vor unseren Augen. Mit einem Gebet auf den Lippen, einem Psalm, einem letzten Schrei zu seinem Gott:
Biblisches Gebet aus Psalm 22
Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?
Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne.
Des Tages rufe ich, doch du antwortest nicht.
Des Nachts, doch finde ich keine Ruhe.
Meine Kraft ist vertrocknet, wie eine Scherbe,
die Zunge klebt mir am Gaumen
denn du legst mich in des Todes Staub.
Mein Gott, sei nicht ferne! Meine Stärke, eile mir zu helfen.
Stille
Es ist, als hielte dieser Schrei den Weg zum Himmel offen - in all dem Schweren, das Jesus zuletzt erlebt: Die Geister, die gerufen wurden; der aufgestachelte Mob; ein hilfloser Herrscher ohne Rückgrat; der Neid der eigentlich doch so frommen Menschen; der hämische Spott der Soldaten. Dem allen zum Trotz: Mit dem Tod reißt die Verbindung nicht ab. Denn die, die Jesus ans Kreuz brachten, haben ihn unterschätzt. Die ihn eben noch verspottet haben, sprechen aus, was keiner zu sagen wagt: „Dieser Mann war wirklich Gottes Sohn.“
Seht, welch ein Mensch: Sein Sterben tut mächtige Gewalten auf.
Der Vorhang zerreißt, die Erde bebt, Felsen zerspringen.
Und die Gräber öffnen sich! Wo soll das nur hinführen?
Fürbitte und Segensbitte
(*= Atempause)
Gott, ich bitte dich:
Gib den Verzagten Mut
und erfülle die Verzweifelten mit Hoffnung.*
Schenke den Müden Ruhe
und den Ruhelosen Gelassenheit.*
Bewahre die Kranken
und alle, die für sie sorgen.*
Halte die Sterbenden
und tröste die Trauernden.*
Gib uns Entschlossenheit zum Frieden
und den Willen zur Versöhnung.*
Gott, sei um uns mit deinem Segen.* Amen.